Kurze Frage, andere Antwort
Wir haben ChatGPT und Google KI-Modus dieselbe Sache in drei Formulierungen gefragt, von der Stichwortsuche bis zur ausführlichen Schilderung. Die Formulierung verändert die empfohlenen Firmen deutlich. Beim Gegentest kam allerdings etwas heraus, das noch wichtiger ist: Selbst bei wortgleicher Frage stimmen zehn Minuten später nur 43 Prozent der Firmen überein.
Manche tippen in ChatGPT ganze Absätze, andere schreiben drei Wörter wie bei Google. Bekommen beide dieselben Firmen empfohlen? Das ist keine akademische Frage. Wenn die Antwort nein lautet, muss der Content eines Unternehmens zwei verschiedene Sprachformen bedienen. Also haben wir es gemessen.
Wer dieselbe Sache in drei Formulierungen fragt, bekommt drei weitgehend verschiedene Firmenlisten, nur zu 23 Prozent überschneiden sich kurze und lange Frage. Wer aber zweimal exakt gleich fragt, bekommt auch nur zu 43 Prozent dieselben Firmen. KI-Empfehlungen schwanken also schon von sich aus, und die Formulierung kommt obendrauf.
Das Experiment
Wir haben sechs echte Anliegen aus dem Immobilienbereich genommen und jedes in drei Längen gestellt, gleiche Absicht, nur andere Form: als Stichwortsuche (kurz), als normale Frage (normal) und als ausführliche Situationsschilderung (lang). Jede Frage in einem frischen, leeren Chat. Die Auswertungsschwelle stand vorher fest, damit wir das Ergebnis nicht im Nachhinein passend deuten: unter 40 Prozent Überschneidung heißt „die Formulierung entscheidet“.
So sah dasselbe Anliegen in drei Längen aus, am Beispiel Makler im 7. Bezirk:
Warum nur zwei Engines: Für diese Frage ist der Vergleich innerhalb einer Engine der Punkt, nicht der zwischen den Engines. ChatGPT und Google KI-Modus haben zusammen das mit Abstand größte Publikum. Alle 18 Fragen im Wortlaut stehen unten in der Methodik.
Ergebnis 1: Nur 23 Prozent Überschneidung
Über alle vergleichbaren Paare hinweg liegt die Überschneidung klar unter der vorher festgelegten 40-Prozent-Schwelle. Die Formulierung wirkt also deutlich. Wie stark genau, lässt sich allerdings erst sagen, wenn man weiß, wie sehr dieselbe Engine ohnehin schwankt. Diesen Gegentest liefern wir weiter unten nach, und er korrigiert die Zahlen aus diesem Abschnitt nach unten.
| Vergleich | Überschneidung der Firmen |
|---|---|
| kurz gegen normal | 32 % |
| normal gegen lang | 20 % |
| kurz gegen lang | 23 % |
Die kurze Frage ist nicht dieselbe Frage in kürzer. Sie ist nachweislich eine andere Frage.
Ergebnis 2: Manchmal verschwindet die Empfehlung ganz
Der auffälligste Effekt ist nicht, wer genannt wird, sondern ob überhaupt jemand genannt wird. Google KI-Modus nannte bei zwei von sechs kurzen Fragen keine einzige Firma:
wohnung bewerten lassen wiengab nur eine Erklärung der drei Wege (Online-Rechner, Makler, Sachverständiger).geerbte wohnung wien verkaufen maklergab den Ablauf einer Verlassenschaft, von der Einantwortung bis zur ImmoESt.
Dieselben Anliegen als ganzer Satz gestellt lieferten sofort vier bis fünf Firmennamen. ChatGPT nannte dagegen bei allen 18 Fragen Namen.
Ergebnis 3: Die kurze Ortsfrage ist eine Google-Sterne-Frage
Bei den lokalen Anliegen begründete Google KI-Modus die kurze Frage durchgehend über Google-Sterne. Bei makler 1070 wien bekam jede Firma ihre Sternebewertung und Rezensionsanzahl, dazu eine Vergleichstabelle mit der Spalte „Bewertung (Google)“. Bei der langen Erzählung verschwand diese Sternelogik und wurde durch inhaltliche Begründungen ersetzt: Erfahrung im Grätzl, Umgang mit Erbengemeinschaften, digitale Vermarktung.
Sobald die Frage wienweit statt bezirksbezogen ist, dreht Google die Begründung um. Bei bester makler wien zählten nicht Sterne, sondern Auszeichnungen: ÖGVS-Prüfsiegel und IMMY-Award, mit immy.at, qualitaetstest.at und dem VKI-Archiv als Quellen.
Bezirksfragen gewinnt man mit Bewertungen. Wienweite Fragen gewinnt man mit Auszeichnungen. Wer dort keine Google-Sterne hat, existiert für den knappen Frager schlicht nicht.
Ergebnis 4: Der Effekt ist je nach Branche völlig unterschiedlich
Die 23 Prozent sind ein Mittelwert, der die eigentliche Nachricht verdeckt. Je enger die Nische, desto stärker entscheidet die Formulierung. Überschneidung kurz gegen lang, bei ChatGPT, pro Anliegen:
Bei Gastroflächen etwa lieferten kurz und lang zwei komplett getrennte Welten:
| Gastrofläche | Genannte Firmen |
|---|---|
| kurz | Engel & Völkers Commercial, Rustler, Real Immo Wien, Colliers |
| lang | Gastro Börse Immoconsulting, Immo Shopbörse, REMAX Together, dibeo |
Hausverwaltung dagegen ist stabil: Rosam, aurea, Vlk & Partner und ÖRAG tauchen bei ChatGPT in allen drei Längen auf. Faustregel aus den Daten: Bei Standardleistungen mit vielen Anbietern ist die Antwort stabiler, in der engen Nische entscheidet fast allein die Formulierung.
Ergebnis 5: Ein Name überlebt fast alles
In jedem Anliegen gibt es meist genau eine Firma, die in allen drei Längen vorkommt. Der klarste Fall ist WIENRAUM Immobilien im 7. Bezirk: sechs von sechs möglichen Nennungen, über beide Engines und alle drei Frageformen. Genau das ist der Zustand, den wir für einen Kunden anstreben. Erreichbar, aber offensichtlich selten.
Ergebnis 6: Die Quelle wechselt mit der Länge
Wir haben zu jeder Frage notiert, worauf sich die Engine beruft. Es zeigt sich eine klare Verschiebung: Je länger und konkreter die Frage, desto eher landet die Engine auf der eigenen Webseite eines spezialisierten Anbieters statt in einem Verzeichnis oder auf der Sternekarte.
| Länge | Google KI-Modus, lokal | ChatGPT |
|---|---|---|
| kurz | Google-Sterne bei jeder Firma | Verzeichnisse (WKO, Herold, ImmoScout) und Reddit |
| lang | eigene Firmenwebseiten, keine Sterne mehr | eigene Firmenwebseiten spezialisierter Anbieter |
Das sind zwei getrennte Aufgaben: Kurze Ortsfrage gewinnt man über Verzeichniseinträge plus Google-Bewertungen (bei ChatGPT ist Reddit ein unterschätzter dritter Kanal). Lange Situationsfrage gewinnt man über eigenen Content, der genau die Lage beschreibt.
Wie sich das zur bisherigen Forschung verhält
In der GEO-Szene kursiert der Satz, die Formulierung sei fast egal. Am deutlichsten in einer Auswertung von 37.804 KI-Antworten über fünf Engines1: reines Auffüllen mit Füllwörtern habe „so gut wie keinen“ Einfluss, und solange zwei Formulierungen semantisch nah genug beieinander bleiben, bleibe die Firmenliste stabil.
Das widerspricht uns nicht, es erklärt uns. Der entscheidende Punkt ist die Schwelle: fällt die inhaltliche Ähnlichkeit unter ein gewisses Maß, ändert sich die Liste eben doch. Unsere kurze und unsere lange Frage sind kein Füllwort-Unterschied. makler 1070 wien gegen einen Absatz über drei Geschwister, die eine geerbte Wohnung verkaufen, liegt klar unter dieser Schwelle. Es sind semantisch zwei verschiedene Fragen. Damit sagt die große Studie genau das voraus, was wir gemessen haben. Neu ist bei uns dreierlei: der Alles-oder-nichts-Effekt bei Google, der lokale DACH-Dienstleistermarkt und der konkrete Quellen-Mechanismus aus Sternen, Siegeln und eigenem Content.
Der Gegentest: dieselbe Frage, zehn Minuten später
Bei der ersten Auswertung fiel uns ein Fehler auf, der sich als der interessanteste Teil der Studie entpuppte: Eine Frage war bei Google versehentlich zweimal gestellt worden, gleicher Wortlaut, wenige Minuten Abstand. Nur eine von vier Firmen war in beiden Läufen dabei.
Das stellt die ganze Messung in Frage. Wenn schon dieselbe Frage schwankt, ist ein Teil der 23 Prozent gar kein Längeneffekt, sondern schlicht Zufall. Das deckt sich mit der Fachliteratur, wonach Sprachmodelle auf identische Eingaben unterschiedliche Antworten geben2. Wir haben die Studie deshalb zurückgehalten und nachgemessen.
Am 6. August 2026 haben wir sechs Fragen je zweimal hintereinander gestellt, jede in einem frischen, leeren Chat, Abstand drei bis sechs Minuten, auf beiden Engines. In so kurzer Zeit ändert sich nichts: keine neuen Bewertungen, kein neues Training, keine neue Marktlage. Was sich trotzdem unterscheidet, ist reiner Zufall.
| Anliegen | Google KI-Modus | ChatGPT |
|---|---|---|
| Altbauwohnungen | 30 % | 8 % |
| Zinshäuser | 44 % | 56 % |
| Makler Margareten | 60 % | 38 % |
| Makler 2. Bezirk | 50 % | 38 % |
| Gewerbe und Büro | 50 % | 67 % |
| Gerichtsgutachter | 50 % | 23 % |
| Mittelwert | 47 % | 38 % |
Dieselbe Frage, dieselbe Engine, wenige Minuten später: nur 43 Prozent derselben Firmen. In keinem einzigen der zwölf Paare war die Liste identisch.
Damit steht die 23-Prozent-Zahl in einem anderen Licht. Die Obergrenze des Erreichbaren liegt nicht bei 100 Prozent, sondern bei rund 43 Prozent. Wer zweimal wortgleich fragt, bekommt schon nur zu gut vier Zehnteln dieselben Firmen.
| Vergleich | Überschneidung |
|---|---|
| Dieselbe Frage, Minuten später | 43 % |
| Kurze gegen lange Formulierung | 23 % |
Gemessen an dieser Obergrenze halbiert eine geänderte Formulierung die verbleibende Übereinstimmung, 23 von 43. Der Längeneffekt ist also real, aber deutlich kleiner, als die reine 23-Prozent-Zahl nahelegt. Wir sagen das ausdrücklich, weil es unser eigenes Ergebnis abschwächt.
Unsere vorab festgelegte Schwelle lautete: unter 40 Prozent Überschneidung heißt „die Formulierung entscheidet“. Diese Schwelle wurde festgelegt, bevor wir wussten, dass identische Fragen nur zu 43 Prozent übereinstimmen. Gegen eine Obergrenze von 43 statt 100 Prozent war sie zu locker gewählt. Die Formulierung wirkt, aber „entscheidet“ ist zu stark. Wir lassen die ursprüngliche Schwelle hier stehen, statt sie stillschweigend nachzuziehen.
Was das für Unternehmen bedeutet
- Ein Google-Unternehmensprofil mit echten Bewertungen ist Pflicht für kurze Ortsfragen. Ohne Sterne existiert man dort nicht. Das ist jetzt mit eigenen Daten belegt, nicht nur behauptet.
- Auszeichnungen und Prüfsiegel sind der Hebel für die wienweite Frage. Wer bei IMMY, ÖGVS oder im VKI-Archiv auftaucht, wird bei „bester Anbieter Wien“ genannt.
- Content muss beide Sprachformen abdecken. Kurze Stichwortphrasen für die knappen Frager, ausführliche Situationsbeschreibungen für die, die ihre Lage schildern. Eine Seite, die nur eine Form bedient, verliert die andere Hälfte.
- In Nischen ist die Formulierung fast alles. Wer dort gefunden werden will, muss die Sprache der konkreten Situation treffen, nicht die Kategorie.
Genau das ist Generative Engine Optimization (GEO): dafür sorgen, dass Sie in jeder relevanten KI genannt werden, egal ob knapp oder ausführlich gefragt wird. Darauf ist KIGEO spezialisiert.
Empfiehlt die KI Sie, egal wie gefragt wird?
Wir prüfen kostenlos, ob ChatGPT, Perplexity, Gemini & Google Sie nennen, bei der kurzen wie bei der ausführlichen Frage, und zeigen, welche Mitbewerber stattdessen empfohlen werden.
kostenlose KI-sichtbarkeits-prüfung →Methodik & Quellen
Am 23. Juli 2026 wurden ChatGPT (Free) und Google KI-Modus aus einem eingeloggten Wiener Browser befragt. Sechs Anliegen, je in drei Längen, jede Frage in einem frischen, leeren Chat. Erfasst wurde jede namentlich genannte Firma in der Reihenfolge der Nennung sowie der sichtbare Quellentyp. Ausgewertet wurde die Überschneidung der Firmennamen je Paar, innerhalb derselben Engine und desselben Anliegens. Es handelt sich um eine Stichprobe an einem Messzeitpunkt, keine Vollerhebung.
Die 18 Fragen im Wortlaut
| Anliegen | kurz | normal |
|---|---|---|
| Makler 7. Bezirk | makler 1070 wien | Welchen Immobilienmakler im 7. Bezirk kannst du mir für meine Altbauwohnung empfehlen? |
| Makler Wien allgemein | bester makler wien | Welcher Immobilienmakler ist der beste in Wien? |
| Immobilienbewertung | wohnung bewerten lassen wien | Wen kann ich in Wien mit einer seriösen Immobilienbewertung beauftragen? |
| Erbimmobilie | geerbte wohnung wien verkaufen makler | Welcher Makler in Wien ist auf Erbimmobilien und Verlassenschaften spezialisiert? |
| Gastrofläche | lokal mieten wien makler | Ich suche ein Lokal in Wien für mein Cafe und brauche einen Makler der sich mit Gastroflächen auskennt, wen kannst du empfehlen? |
| Hausverwaltung | hausverwaltung wien empfehlung | Welche Hausverwaltung in Wien ist zu empfehlen? |
Die dritte Länge (lang) war je Anliegen eine ausführliche Situationsschilderung von drei bis fünf Sätzen. Alle drei Längen pro Anliegen stehen im vollständigen Rohdatensatz.
Zum Einordnen herangezogene Untersuchungen:
- Search Engine Journal über eine Peec-Auswertung von 37.804 KI-Antworten über fünf Engines: Does prompt variance % impact brand mentions? Kernaussage: Marken bleiben stabil, solange zwei Formulierungen semantisch nah beieinander bleiben; darunter ändert sich die Liste.
- Eval4NLP 2025, Non-Determinism of „Deterministic“ LLM System Settings in Hosted Environments. Kontext: gehostete Sprachmodelle liefern auf identische Eingaben unterschiedliche Antworten; empfohlen wird, jede Anfrage mehrfach zu stellen und Streuung zu berichten.