mythos für mythos
fünf dinge,
die so nicht stimmen.
Jeder Punkt mit der Gegenprobe und mit dem, was wir bei KIGEO daraus machen.
01
„Mit Schema-Markup wirst du von der KI zitiert."
Daran ist etwas dran: Seiten, die von KI zitiert werden, tragen rund dreimal häufiger JSON-LD im Code. Diesen Zusammenhang gibt es wirklich.
Nicht belegt ist der Ursache-Wirkung-Schluss. Ahrefs hat zwischen August 2025 und März 2026 1.885 Seiten beobachtet, die neu JSON-LD eingebaut haben, und sie gegen rund 4.000 unveränderte Seiten gestellt. Vier statistische Verfahren, darunter Differenz-von-Differenzen. Ergebnis: plus 2,4 Prozent im Google KI-Modus, plus 2,2 Prozent bei ChatGPT, beides ohne statistische Bedeutung. Bei den Google AI Overviews minus 4,6 Prozent, und dieser Wert war bedeutsam.1
Der Widerspruch, den wir nicht verschweigen: Thomas Peham von OtterlyAI berichtet nach seitenweitem Schema von deutlichen Zuwächsen auf Google-Oberflächen, dafür neutral bis negativ bei ChatGPT, Gemini und Copilot. Beides kann zutreffen. Ahrefs isoliert den ursächlichen Effekt auf ohnehin viel zitierten Seiten, Peham misst vorher gegen nachher.14
Unsere Konsequenz: Wir bauen Schema weiter ein, verkaufen es aber als klassische Suchmaschinenoptimierung für Rich Results, nicht als Hebel für KI-Zitate.
02
„Eine llms.txt macht deine Seite für KI lesbar."
Die Datei wird kaum abgerufen. Otterly hat 90 Tage lang die Serverprotokolle ausgewertet. Von über 62.100 Zugriffen durch KI-Bots gingen 84 auf die /llms.txt, also rund 0,1 Prozent. Das ist etwa dreimal seltener als eine durchschnittliche normale Seite, und es gab keinen Zusammenhang mit der Crawler-Aktivität.2
Search Engine Land kommt zum selben Schluss: kein empirischer Beleg, dass llms.txt die Aufnahme in KI-Antworten erhöht. Ein kontrollierter Test fand weder bei llms.txt noch bei zusätzlichen Markdown-Dateien einen Effekt.3 Dazu passt ein weiterer Befund: parallel ausgelieferte Markdown-Kopien einer Seite bekamen null Crawler-Zugriffe, die HTML-Variante 4,6 Prozent.14
Unsere Konsequenz: Wir legen keine llms.txt an und rechnen sie niemandem als Leistung an. Wer trotzdem eine will, bekommt sie in zehn Minuten, mit dem Hinweis, dass sie vermutlich nichts bringt.
03
„Inhalte umbauen und strukturieren reicht."
Vier Faktoren entscheiden fast alles. Die bisher grösste kontrollierte Untersuchung stammt aus dem Mai 2026: rund 252.000 paarweise Vergleiche, 18 Inhaltsmerkmale, sechs Sprachmodelle. Reine Formatierungsänderungen bewegten dabei kaum etwas.4
| Torwächter | Was das praktisch heisst |
| Themenrelevanz | Die Seite muss die gestellte Frage behandeln, nicht das Umfeld |
| Preisangabe | Seiten mit sichtbaren Preisen werden deutlich häufiger zitiert |
| Aktualität | Ein sichtbares, frisches Aktualisierungsdatum |
| Listenposition | Wo die Seite in der abgerufenen Quellenliste steht |
Einschränkung, die dazugehört: Getestet wurde in einem Aufbau mit jeweils genau zwei Kandidatenquellen, und die Arbeit entstand in Zusammenarbeit mit dem Software-Anbieter Sprinklr, ist also nicht rein akademisch. Und es gibt eine Gegenstudie: GEO-SFE meldet plus 17,3 Prozent Zitierrate allein durch strukturelle Änderungen über sechs Engines.5 Diese Spannung ist offen. Wir behaupten deshalb weder, dass Struktur egal ist, noch dass sie der Haupthebel ist.
Unsere Konsequenz: Bevor wir an die Formatierung gehen, prüfen wir die vier Torwächter. Eine Seite ohne Preis, ohne aktuelles Datum und ohne echte Themendeckung wird von schöneren Zwischenüberschriften nicht gerettet.
04
„KI zitiert vor allem Firmenwebsites."
Die Mehrheit der Daten zeigt das Gegenteil. Es kursiert eine Zahl, wonach 78 Prozent der KI-Zitate auf Unternehmensseiten entfallen. Wir haben sie geprüft und verwenden sie nicht: Sie stammt aus einer Arbeit, deren Autor Mitgründer der darin beworbenen Plattform ist, ohne offengelegten Interessenkonflikt. Drei unabhängige Untersuchungen kommen zum gegenteiligen Ergebnis.
- LinkedIn war in einer Auswertung von 325.000 Prompts die zweithäufigst zitierte Domain bei ChatGPT Search, Google KI-Modus und Perplexity, vor Wikipedia und YouTube. Reichweite war dabei keine Bedingung: Der mittlere zitierte Beitrag hatte 15 bis 25 Reaktionen und höchstens einen Kommentar. Regelmässigkeit zählte mehr, rund 75 Prozent der zitierten Autoren hatten in vier Wochen mindestens fünfmal gepostet.9
- YouTube ist die meistzitierte einzelne Domain in den Google AI Overviews, mit einem Zuwachs von 34 Prozent Zitatanteil in sechs Monaten.10
- Nur 38 Prozent der in AI Overviews zitierten Seiten stehen für dieselbe Suchanfrage auch in den Top 10. Rund ein Drittel der Zitate kommt von Seiten, die gar nicht ranken. Eine gute Google-Platzierung ist also kein Ersatz.10
Dazu kommt ein Messproblem: 62 Prozent der KI-Zitate nennen die Marke gar nicht. Die Domain wird verlinkt, der Name fällt nicht. Gemini nennt Marken häufig, verlinkt aber selten, bei ChatGPT ist es umgekehrt.8
Unsere Konsequenz: Wir trennen im Bericht zwischen „Domain wurde zitiert" und „Firmenname wurde genannt". Und wir arbeiten an fremden Plätzen weiter, nicht nur an der Website des Kunden.
05
„Ein Sichtbarkeits-Score zeigt dir, wo du stehst."
KI-Antworten sind nicht deterministisch. Dieselbe Frage, zweimal gestellt, ergibt unterschiedliche Antworten. Über Zeit, über Formulierungen und über Durchläufe hinweg. Eine einzelne Messung ist deshalb kein verlässlicher Wert.7
Dazu kommt, dass verschiedene Sichtbarkeits-Werkzeuge für dieselben Prompts deutlich unterschiedliche Ergebnisse liefern. Die Preise dafür liegen laut Digiday zwischen 99 und 449 Dollar im Monat, Agenturbudgets bei rund 1.000 Dollar.15
Unsere Konsequenz: Wir messen mehrfach und berichten eine Spanne statt einer einzelnen Zahl. Das ist unbequemer als ein Dashboard mit einem grossen Prozentwert, aber es ist das, was die Daten hergeben.